An Husers Lesendem Mädchen fällt auf, dass es Kopf und Blick leicht vom Buch abwendet und den Daumen seiner rechten Hand zwischen die Seiten des Buches hält, aber nicht an der Stelle, an der das Buch aufgeschlagen ist. Hat das Kind seine Neugier nicht mehr länger im Zaum zu halten vermocht, weitergeblättert, einen Teil der Erzählung übersprungen und ist danach in ein Nachsinnen oder in eine Tagträumerei geraten, die es von seiner Lektüre ablenkt? Dies ist hier nicht zu entscheiden, fest steht hingegen, dass der Bildhauer mit dieser kleinen Skulptur mehr als nur einen kurzen Moment im Leben eines jungen Kindes festgehalten hat. Fast wie ein kleines Denkmal ruft die unspektakuläre Skulptur des lesenden Mädchens in Erinnerung, dass Kinder – wenn ihnen von den Erwachsenen keine echten oder scheinbaren Pflichten auferlegt werden – die Fähigkeit entwickeln, sich einer selbst gewählten Beschäftigung zuzuwenden und ganz in sie einzutauchen.